Wer in diesen Tagen am Alten Friedhof vorbeikommt, sieht Bewegung. Das Dach des einsturzgefährdeten Alten Kinos ist bereits zu einem großen Teil abgetragen, und über der Ruine schwenkt der Greifer des Baggers hin und her.
Schnell geht das nur auf den ersten Blick. Weil das Dach schadstoffbelastet ist, muss es händisch zurückgebaut werden – Lage für Lage, mit Werkzeug statt mit Maschinenkraft. Vier Männer in blauen Schutzanzügen, mit Helm, Atemschutz und Sicherungsgeschirr, arbeiten dafür auf einer Hubarbeitsbühne, die dicht an die Dachkante herangefahren ist. Was sie lösen, hebt der Bagger anschließend nach unten und lädt es direkt auf die bereitstehenden Transporter.

Auffällig ist das Tempo. Die Männer arbeiten konzentriert und ohne erkennbare Leerlaufzeiten, einer beugt sich über die Traufe, während die anderen bereits das nächste Stück vorbereiten. Von der Zähigkeit, die dieses Gebäude über Monate hinweg geprägt hat, ist auf der Baustelle selbst nichts zu spüren.
Ist das Dach vollständig entfernt, können die Außenmauern fallen. Nach dem derzeitigen Zeitplan könnte das Ende September der Fall sein. Dann verschwindet ein Gebäude, das die Giesenkirchener seit Ende 2024 beschäftigt: Damals sackte das Dach ab, die Straße wurde erstmals gesperrt. Statische Sicherungen des Eigentümers erlaubten Anfang 2026 eine kurze Öffnung, doch im Frühjahr konnte ein Prüfstatiker die Standsicherheit nicht mehr bestätigen. Weil der Eigentümer seiner Rückbauverpflichtung trotz behördlicher Anordnung nicht nachkam, ließ die Stadt den Abriss im Wege der Ersatzvornahme durchführen und wird die Kosten anschließend einfordern.
Für die Anwohner bedeutet das Ende der Arbeiten vor allem eines: Die Sperrung fällt weg, der Schleichverkehr durch das Blumenviertel verliert seinen Anlass, und der Giesenkirchener Ortskern ist wieder ohne Umweg erreichbar.
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