In der ersten Septemberwoche beginnt für rund 2.700 Kinder in Mönchengladbach der Ernst des Lebens. An den 37 städtischen Grundschulen werden sie eingeschult – mit Schultüte, neuem Ranzen und einem Tag, den viele Familien noch lange in Erinnerung behalten.
Vorfreude und Stolz gehören dazu, Unsicherheit und Überforderung aber ebenso. Die Kinder müssen sich in einer neuen Umgebung orientieren, Beziehungen aufbauen und mit unbekannten Regeln und Routinen zurechtkommen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Leipzig untersuchen, was ihnen dabei hilft – und kommen zu einem Ergebnis, das den Blick von den Schulnoten weglenkt.
„Ein guter Schulstart beginnt nicht erst beim Lesen, Schreiben oder Rechnen. Kinder brauchen verlässliche Beziehungen, emotionale Sicherheit und das Vertrauen, mit neuen Herausforderungen umgehen zu können“, sagt Professorin Tina Malti, Gründungsdirektorin des Humboldt Wissenschaftszentrums für Kindesentwicklung (HumanKind) an der Universität Leipzig. Wenn Eltern und Lehrkräfte die sozialen und emotionalen Stärken eines Kindes wahrnehmen und fördern, schaffen sie damit die Grundlage für Wohlbefinden, Lernen und eine gesunde Entwicklung.
Für Familien lassen sich daraus konkrete Dinge ableiten. Abläufe wie der Schulweg, die Morgenroutine oder das Packen des Ranzens lassen sich gemeinsam einüben, bevor es ernst wird. Hilfreich ist außerdem, offen über Erwartungen, Vorfreude und Ängste zu sprechen und die Gefühle des Kindes ernst zu nehmen.
Ebenso wichtig: Kinder sollten altersgerechte Aufgaben zunehmend selbst übernehmen dürfen. Leistungsdruck und Vergleiche mit anderen sind wenig hilfreich. Statt auf Ergebnisse zu schauen, können Eltern Anstrengung, Neugier und individuelle Fortschritte würdigen und vermitteln, dass Fehler zum Lernen dazugehören. Auch soziale Kontakte stärken: Begegnungen mit Gleichaltrigen, Gespräche über Rücksichtnahme und Konfliktlösung sowie gelebte Freundlichkeit im Familienalltag geben Orientierung.
Fachlich geht es dabei um sozial-emotionale Fähigkeiten – Emotionsregulation, Empathie, Selbstempathie, Kooperationsfähigkeit und den Umgang mit Belastungen. Sie helfen Kindern, Gefühle zu regulieren, Beziehungen aufzubauen, Konflikte zu bewältigen und Unterstützung anzunehmen.
Die Leipziger Forschungsgruppe geht dabei bewusst stärkenorientiert vor: Im Mittelpunkt stehen die Ressourcen und Entwicklungspotenziale jedes einzelnen Kindes. In der internationalen SWITCH-Studie untersucht HumanKind seit Ende März 2025 und noch bis 2028 den Übergang von der Kita in die Grundschule – in Deutschland, Schweden, Großbritannien und Österreich. Kinder und Familien werden über mehrere Messzeitpunkte begleitet, um besser zu verstehen, wie soziale Beziehungen, Wohlbefinden und schulische Fähigkeiten bis zum Ende der ersten Klasse zusammenwirken. Am Ende sollen daraus Empfehlungen für Familien, pädagogische Fachkräfte, Schulen und Politik entstehen.
Mehr zur Studie: https://www.uni-leipzig.de/switch
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