29. Mai 2026

Das Heimatmagazin für Mönchengladbach

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Zu sehen sind Regale mit Kartoffeln und Gemüse. Dazu mehrere Kühlschränke.

Foto: Lott jonn!

Reportage: Aprikoseneis macht keine Mittagspause

Von Thomas Patalas

Es ist kurz nach 13 Uhr, als Julia Karl aus Giesenkirchen auf den Parkplatz von Brüchers Hofladen an der Waat 77 einbiegt. Die Mutter hat ihr Einkaufsziel klar vor Augen: Eier, Kartoffeln, Erdbeeren. Letzteres für ihren Sohn, sagt sie, die dürfe sie auf keinen Fall vergessen. Doch die Eingangstür des Hofladens bleibt zu – Mittagspause. Julia Karl dreht sich um, schon bereit zu gehen.

Kleines Holzhäuschen mit geöffneter Tür. Im Hintergrund ein Bauernhof mit Hofladen.
Kundin bedient Bezahl-Display. Vor ihr liegen Erdbeeren, Kartoffel, Eier und Äpfel

Dann der Hinweis auf den kleinen Holzpavillon nebenan, der erst vor zwei Wochen seinen Betrieb aufgenommen hat. Brüchers SB-Shop, direkt neben dem Parkplatz. Julia Karl geht rüber, schiebt die Glastür auf – und kommt kurz darauf mit einem Netz voller Kartoffeln und einem Lächeln wieder heraus. „Ein tolles Angebot, ich hab jetzt alles was ich brauche“, sagt sie. „Müsste nur noch mehr bekannt gemacht werden!“
Die Produkte seien frisch und gut, und dass sie aus der Region kämen, sei ihr wichtig. Den Wochenmarkt könne sie zu der Zeit nicht besuchen, sie arbeite in der Zeit. Bezahlt wird bargeldlos per Bankkarte, die Artikel werden selbst eingescannt.

Der Mann hinter der Idee ist Max Brücher, 22 Jahre alt, inzwischen gleichberechtigter GbR-Gesellschafter im elterlichen Betrieb. Die Idee zum SB-Shop entstand aus einer einfachen Beobachtung heraus. Wer den ganzen Tag arbeitet, kann die klassischen Öffnungszeiten eines Hofladens kaum wahrnehmen.

Automaten als Alternative? Hat man sich angeschaut – und schnell verworfen.

Das Sortiment orientiert sich eng am klassischen Hofladen: Erdbeeren, Tomaten, Stangenbohnen, Kartoffeln, Äpfel, Aprikosen, Himbeeren – je nach Saison, möglichst aus eigenem Anbau.

Ein besonderer Hingucker im Kühlfach: das Eis aus eigenen Früchten. Entstanden aus einer pragmatischen Überlegung.

Auch Max Brüchers persönlicher Favorit? Aprikose. Die ersten zwei Betriebswochen waren vielversprechend: Das Eis lief bei gutem Wetter hervorragend, beim Grillfleisch musste nachjustiert werden – zu wenig eingeräumt.

Mann steht vor Kühlschrank und hält Eisbecher hoch
„Aprikoseneis!“ Max Brücher muss nicht lange überlegen, welches Eis sein Favorit ist. Foto: Lott jonn!

Dass der SB-Shop zusätzliche Arbeit bedeutet, nimmt Max Brücher bewusst in Kauf. Langfristig könnte er sogar dazu beitragen, an umsatzschwächeren Tagen den klassischen Hofladen zu entlasten.

Und die Pläne gehen weiter. Für den Sommer ist der Aprikosen-Streuselkuchen aus der Keltzberger Bäckerei geplant – möglichst in umweltfreundlicher Verpackung, in Portionsgrößen zum Vor-Ort-Verzehr. Für Radfahrer, die auf dem Weg eine Pause einlegen, am besten mit einem Stück Kuchen dazu.

Radfahrer und Spaziergänger hat Brüchers Hofladen auf seinen Plakaten gezielt angesprochen. Der SB-Shop soll kein bloßer Verkaufsraum bleiben – geplant ist eine Info-Station mit Flyern rund um den Apfel- und Aprikosenanbau.

Der SB-Shop ist täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen. Julia Karl hätte das alles erfahren können – wenn sie die Mittagspause nicht schon längst hinter sich gelassen hätte, Kartoffeln und Erdbeeren im Gepäck.