15. Januar 2026

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Evangelische Hauptkirche erzählt vom Wandel Rheydts

Die Evangelische Hauptkirche in Rheydt gehört bis heute zu den markantesten Bauwerken am Marktplatz. Ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück, auch wenn das heutige Kirchengebäude erst um 1900 entstanden ist. Der Bau steht sinnbildlich für den Wandel Rheydts vom Dorf zur Industriestadt und prägt das Stadtbild bis heute.

Im 19. Jahrhundert wuchs Rheydt rasant. Die Industrialisierung, insbesondere der Aufstieg zur Textilstadt, ließ die Einwohnerzahlen stark steigen. Trotz mehrerer Erweiterungen reichte die alte Hauptkirche nicht mehr aus. Auch die ab 1866 genutzte Friedenskirche konnte den steigenden Platzbedarf nur vorübergehend abfangen. Schließlich entschied sich die Gemeinde 1898/99 zum Abriss der alten Kirche und zum Neubau an gleicher Stelle.

Zwischen 1899 und 1902 entstand die heutige Evangelische Hauptkirche nach Plänen des Berliner Kirchenbaumeisters Johannes Otzen. Der Neubau wurde für mehr als 1.000 Besucher ausgelegt und erhielt einen rund 72 Meter hohen Turm. Der Entwurf folgte dem sogenannten Wiesbadener Programm, das den Kirchenraum als Versammlungsort der Gemeinde versteht. Kanzel, Altar und Orgel sind dabei gleichrangig aufeinander bezogen und prägen den zentralen Predigtraum.

Architektonisch zeigt sich die Kirche in neoromanischen Formen. Verwendet wurden unter anderem heller Kordeler Sandstein, Grauwacke und Basaltlava. Gemeinsam mit dem 1897 erbauten Rathaus und weiteren repräsentativen Gebäuden bildet sie ein städtebauliches Ensemble am Rheydter Markt. Im Inneren bestimmen ein zentraler Raum und umlaufende Emporen das Bild.

1902 erhielt die Kirche eine große romantische Orgel der Firma Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder mit 40 Registern auf drei Manualen und Pedal. Sie war Teil des von Otzen geplanten Gesamtkonzepts, das die Einheit von Wortverkündigung und Musik betonte.

Die hier abgebildeten Postkarten sind aus der Zeit 1898 – 1913. Quelle: Privatarchiv Thomas Patalas