4. Juni 2026

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Foto: Feuerwehr Mönchengladbach

Schwerpunkt: Wie viele Kinder müssen verunglücken, bis der E-Scooter ernst genommen wird?

Von Thomas Patalas

Am 1. Juni starb ein 14-Jähriger an den Folgen eines Alleinunfalls mit einem E-Scooter auf der Mülgaustraße. Es ist der tragischste Punkt einer Bilanz, die für das erste Halbjahr 2026 alarmierend ausfällt – und die deutlich macht, dass beim Schutz von Kindern und Jugendlichen im Mönchengladbacher Straßenverkehr dringend nachgesteuert werden muss.

30 polizeiliche Einsatzlagen mit Beteiligung Minderjähriger wurden zwischen Januar und Juni publiziert. 24 davon – also vier von fünf – waren Verkehrsunfälle. Damit ist klar, wo die größte Gefahr für die Jüngsten lauert: nicht in einer Kriminalitätsstatistik, sondern auf der Straße, auf dem Schulweg, am Straßenrand.

Im Zentrum steht ein Fahrzeug, das vor wenigen Jahren kaum eine Rolle spielte: der E-Scooter. Er verursacht im Berichtszeitraum die schwersten Verletzungen. Ein 14-Jähriger wurde im Februar auf der Hohenzollernstraße schwer verletzt, am 25. Mai folgte der Unfall auf der Mülgaustraße mit tödlichem Ausgang. Das Muster dahinter ist bekannt und wird trotzdem unterschätzt: zu hohe Geschwindigkeit, Fahren auf dem Gehweg, Fahren entgegen der Fahrtrichtung. Wer den E-Scooter für ein harmloses Spielzeug hält, verkennt, wie schnell aus einem Fahrfehler ein lebensbedrohlicher Unfall wird.

Doch es wäre zu einfach, allein auf die E-Mobilität zu zeigen. Ein zweites Muster zieht sich durch die Zahlen: der Sichtschatten. Immer wieder betreten Kinder zwischen parkenden Autos unvermittelt die Fahrbahn und werden übersehen. Die Unfälle an der Pestalozzistraße, der Neusser Straße und Am Ringerberg stehen für eine Gefahr, die sich nicht allein durch Appelle an die Kinder lösen lässt, sondern Fragen an die Gestaltung von Parkraum an Schulwegen und in Wohngebieten aufwirft.

Bemerkenswert ist, was die Zahlen über die Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen sagen. Selbst in Wochen verschärfter Kontrollen – etwa während der „Operation Seatbelt“ im März oder der europaweiten „Roadpol Speed“-Woche im April – waren Minderjährige weiterhin in schwere Unfälle verwickelt. Geschwindigkeitskontrollen allein schützen Kinder also nicht in den entscheidenden Sekunden, in denen ein Kind aus dem Sichtschatten tritt oder ein Jugendlicher die Kontrolle über seinen Scooter verliert.

Daraus ergeben sich klare Forderungen. Die Verkehrserziehung darf nicht beim Fahrradtraining der Grundschule enden. Sie muss die motorisierten Kleinstfahrzeuge einbeziehen, mit denen 14- bis 17-Jährige heute unterwegs sind – samt technischer Kontrollen und ehrlicher Aufklärung über Tempo und Bremswege. Angebote wie die im April eröffnete Scooter-Werkstatt weisen in die richtige Richtung, reichen aber nicht aus, solange sie mit einem dichter und komplexer werdenden Verkehr konkurrieren. Hinzukommen müssen bauliche Verbesserungen dort, wo Sichtschatten Kinder gefährden.

Und schließlich sind die Erwachsenen gefragt – als Verkehrsplaner, als Sicherheitsbehörden, aber auch als Eltern und Vorbilder. Der Tod eines 14-Jährigen darf nicht als Einzelfall abgehakt werden. Er muss der Anlass sein, beim Schutz der Jüngsten endlich konsequenter zu werden.

Detaillierte tabellarische Übersicht der Vorfälle (Erstellt von Lott jonn!):

Datum Delikt / Unfallursache Anzahl Kinder Alter Art der Verletzung / Status
19.01.2026Verkehrsunfall (Bahnstraße)116 J.Leicht verletzt
27.01.2026Verkehrsunfall (Pestalozzistraße)16 J.Leicht verletzt (zwischen Pkw gelaufen)
23.02.2026Verkehrsunfall (Hohenzollernstr.)114 J.Schwer verletzt (E-Scooter)
24.02.2026Verkehrsunfall (Burgfreiheit)115 J.Leicht verletzt (E-Scooter)
24.02.2026Verkehrsunfall (Realschulstraße)1unklarVermutlich verletzt (Schüler)
03.03.2026Verkehrsunfall (Zur Burgmühle)1unklarLeicht verletzt (Radfahrer geflüchtet)
07.03.2026Schwerer Verkehrsunfall (L19)115 J.E-Scooter-Fahrer (Fußgängerin lebensgefährlich)
12.03.2026Verkehrsunfall (Stadtwaldstr.)116 J.Leicht verletzt (Pedelec)
17.03.2026Schulwegunfall (Hofstraße)17 J.Leicht verletzt (Radfahrer)
23.03.2026Verkehrsunfall (Zoppenbroicher Str.)116 J.Schwer verletzt (Motorrad)
15.04.2026Verkehrsunfall (Hauptstraße)13 J.Leicht verletzt (beim Überqueren)
15.04.2026Verkehrsunfall (Klusenstraße)17 J.Leicht verletzt
17.04.2026Verkehrsunfallflucht (Badenstraße)111 J.Verletzt (Radfahrer)
23.04.2026Verkehrsunfall (Wehrstraße)14 J.Schwer verletzt (im Kinderwagen)
28.04.2026Verkehrsunfall (Eickener Straße)110 J.Leicht verletzt (Fußgängerüberweg)
01.05.2026Verkehrsunfall (Neusser Straße)18 J.Leicht verletzt (Sichtschatten)
07.05.2026Verkehrsunfall im Bus (Burgfreiheit)13 J.Leicht verletzt (Bremsmanöver)
19.05.2026Flucht vor Polizei (Limitenstraße)115 J.Kollision mit Bus (Rollerfahrer)
21.05.2026Verkehrsunfallflucht (Neukircher Weg)114 J.Verletzt (E-Bike)
22.05.2026Verkehrsunfall (Am Ringerberg)18 J.Leicht verletzt (Sichtschatten)
25.05.2026Alleinunfall (Mülgaustraße)114 J.E-Scooter; am 01.06. verstorben
29.05.2026Verkehrsunfallflucht (Wehnerstraße)19 J.Verletzt (Radfahrerin)
01.06.2026Verkehrsunfall (Grünstraße)110 J.Leicht verletzt (Tretroller)
01.06.2026Kollision E-Scooter/Kind (Keplerstr.)28 & 16 J.8-Jähriger leicht verletzt