5. September 2026

Lott jonn! Heimatmagazin für Mönchengladbach

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Alle Rechte bei Lott jonn!

Alle Rechte bei Lott jonn!

Beobachtungen eines Praxiskaters: Kastration und Freigang – Tünn wird mal deutlich

Ich sach mal so: In dieser Kolumne kucke ich Ihnen als Praxiskater über die Schulter und erzähl, wat in einer Kleintierpraxis so alles los ist – mit Sachverstand, aber ohne trockenes Fachchinesisch. Die Fakten liefert meine Tierärztin Astrid Lodowicks, den Rest mach ich. Wolle mer ma sagen: läuft.

Alle Rechte bei Lott jonn!

Tach zusammen!

Heute ist mir nicht nach Kalauern zumute, das sage ich gleich vorweg. Selbst ein ruhiger Praxiskater wie ich, der sonst als Goodfeelmanager an der Quelle sitzt und alles mitkriegt, hat mal so einen Tag. Und heute ist Schluss mit lustig.

Bei uns wurden drei Kitten gemeldet. Winzig klein, gerade mal 70 bis 90 Gramm, kaum einen Tag alt. Die Mutter – eine unkastrierte Hauskatze mit Freigang – hatte sich nicht mehr gekümmert. Die Kleinen waren unterkühlt und hatten mächtig Hunger, bis unter die Arme.

Unsere Chefin kochte. Nicht wegen der Hitze draußen, sondern vor Wut. Wut über die Ignoranz und die Verantwortungslosigkeit mancher Zeitgenossen, die ihre Katzen freilaufen lassen, ohne sie vorher kastrieren zu lassen. Genau so tragen sie nämlich Mitschuld an den Millionen Straßenkatzen, die in Deutschland meist im Verborgenen ein elendes Leben fristen. Ein Dauerkampf ums Überleben, ich sach mal so. Die Weibchen in der Dauerschleife trächtig, die Kater in ewigen Revierkämpfen, oft mit schweren Verletzungen. Dazu Parasiten und Viruserkrankungen, die sich rasant ausbreiten und die Tiere nicht selten das Leben kosten.

Und die Tierheime? Längst überfüllt, die Kassen gegen null.

Deshalb gibt es – leider nicht landesweit, aber bei uns in Mönchengladbach – die Katzenschutzverordnung. Eine freilaufende Katze muss kastriert sein, eindeutig gekennzeichnet, also gechipt, und registriert, zum Beispiel bei Tasso oder Findefix. Wer sich nicht daran hält, den kann das bis zu 1.000 Euro kosten. Und mal ehrlich: Traurig genug, dass es dafür überhaupt eine Verordnung braucht, statt dass die Leute aus Tierschutzgründen von selbst handeln, ne?

Apropos Tierschutz. Die Kastration ist laut Tierschutzgesetz dann erlaubt, wenn sie aus tierärztlicher Indikation geboten ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a) oder wenn damit eine unkontrollierte Vermehrung verhindert wird (§ 6 Abs. 1 Nr. 5). So weit die Paragrafen.

Der richtige Zeitpunkt liegt ungefähr beim Einsetzen der Geschlechtsreife. Als grobe Orientierung kann man sagen: wenn die Milchzähne raus sind und das bleibende Gebiss vollständig steht.

Und warum das Ganze? Weibliche Katzen werden „rollig“, wenn sie deckbereit sind – Unruhe, lautes Schreien, sich am Boden wälzen, das volle Programm. Das passiert in der Regel alle drei Wochen, und der Eisprung wird erst durch den Deckakt ausgelöst. Für eine unkastrierte Kätzin, die nur im Haus lebt, heißt das: Sie kann dauerrollig werden. Und das, liebe Leser, ist purer Stress für das Tier. So manches Herrchen und Frauchen kommt dann irgendwann selbst völlig übernächtigt zu uns und bittet um Abhilfe.

Die unkastrierten Kater fallen anders auf. Der Urin riecht plötzlich hormonell bedingt streng – unter uns gesacht wie im Pumakäfig. Und oft setzen die Herren dann noch „Duftmarken“ an den exponiertesten Stellen der Wohnung. Wolle mer ma sagen: ein Fest ist das nicht.

In diesem Sinne: Handeln Sie verantwortungsbewusst. Und unterstützen Sie die Menschen, die sich im Tierschutz engagieren – so wie die Pflegestelle, in die unsere drei Findlinge gekommen sind. Denen geht es jetzt, nach fast drei Wochen mutterloser Aufzucht rund um die Uhr, wieder gut. Zu verdanken ist das aufmerksamen Mitmenschen, die die Kleinen gefunden und sich sofort gekümmert haben.

Tschüß und lott jonn,
Euer Tünn

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Zur Autorin: Astrid Lodowicks ist Tierärztin. Nach Jahren in verschiedenen Kleintierpraxen – unter anderem in Grevenbroich – führt sie seit einigen Jahren ihre eigene Praxis in Mönchengladbach-Giesenkirchen. Ihr fachlicher Schwerpunkt liegt in der Dermatologie, sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Veterinär-Dermatologie. Zu ihrem Haushalt gehören zwei Katzen und zwei Islandpferde. In dieser Kolumne überlässt sie das Wort ihrem Praxiskater Tünn, der den Praxisalltag mit wachem Auge, ruhigem Gemüt und trockenem Humor kommentiert.

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