21. September 2026

Lott jonn! Heimatmagazin für Mönchengladbach

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Illustration einer Katze in einem Katzenkorb auf dem Tünn steht

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„Tünn hät et jesehn“: Beobachtungen eines Praxiskaters – Die Herbstgrasmilbe – wenn die Juckerei kommt

Er sieht alles, hört alles und hat zu allem eine Meinung: In „Tünn hät et jesehn“ nimmt Sie Praxiskater Tünn mit hinter die Kulissen einer Kleintierpraxis. Fachlich fundiert, aber nie trocken – denn das Wissen kommt von Tierärztin Astrid Lodowicks, der Ton vom Kater persönlich.

Die Herbstgrasmilbe – wenn die Juckerei kommt

Tach zusammen!

Ich sach mal so: Bevor wir hier zur Sache kommen, muss ich mich ja erstmal vorstellen, ne? Anton ist der Name – aber gerufen wird der Fachmann von jedem nur „Tünn“. Kater in den besten Jahren, das sieht man ja. Mein Arbeitsplatz ist eine Kleintierpraxis, und da bin ich – unjelogen – das Herzstück vom Laden. „Feelgoodmanager“ sagt man neuerdings auf Neudeutsch. Heißt im Klartext: Ich sorge für gute Laune, senke so ganz nebenbei den Blutdruck von den Zweibeinern, höre zu und halte die Schnüss – und wenn’s mal kracht im Wartezimmer, dann moderiere ich das. Wolle mer ma sagen: läuft.

Und weil ich den Job schon eine halbe Ewigkeit mache, bin ich tiermedizinisch topaktuell, ne. Das Wissen behalte ich natürlich nicht für mich, dafür bin ich viel zu gut erzogen.

So, und heute hab ich mir aus gegebenem Anlass die Herbstgrasmilbe vorgeknöpft – „Erntemilbe“ sagt der Volksmund, und wer so richtig klugscheißen will, sagt „Trombicula autumnalis“. Zungenbrecher, ich weiß. Das Rheinland ist mit dem kleinen Biest reich gesegnet, das sach ich Ihnen: Von Ende Juli bis manchmal in den Oktober macht die sich breit, und erst wenn’s kalt und verregnet wird, verzieht die sich wieder. Eigentlich harmlos, überträgt keine Krankheiten – aber lästig werden kann sie schon. Bei manchem Menschen und manchem Tier, das viel draußen unterwegs ist, kann sie nämlich eine fiese, allergische Juckerei auslösen. Muss aber nicht – der eine reagiert empfindlich, den anderen lässt sie kalt.

Zu den Spinnentieren gehört die, und so winzig ist die, dass man sie einzeln kaum sieht. Sitzen aber viele auf einem Haufen, dann erkennt man sie mit bloßem Auge – orange wie ein Hokkaido-Kürbis, ne. Wenn sich Ihr Möpp oder Dachhas in der Zeit auffällig kratzt oder ständig an den Pfoten leckt, dann kucken Sie mal genau auf die Haut. Am liebsten macht die Milbe es sich in den Ohrfalten gemütlich, zwischen den Zehen oder an der Schwanzspitze.

Und bevor sich Ihr Liebling vor lauter Juckerei selbst traumatisiert – jetzt mal ganz ehrlich – gehen Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zum Tierarzt Ihres Vertrauens. Der freut sich. Und der Praxiskater sowieso.

Tschüß und lott jonn,
Euer Tünn

Illustration einer Katze in einem Katzenkorb auf dem Tünn steht

Zur Autorin: Astrid Lodowicks ist Tierärztin. Nach Jahren in verschiedenen Kleintierpraxen – unter anderem in Grevenbroich – führt sie seit einigen Jahren ihre eigene Praxis in Mönchengladbach-Giesenkirchen. Ihr fachlicher Schwerpunkt liegt in der Dermatologie, sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Veterinär-Dermatologie. Zu ihrem Haushalt gehören zwei Katzen und zwei Islandpferde. In dieser Kolumne überlässt sie das Wort ihrem Praxiskater Tünn, der den Praxisalltag mit wachem Auge, ruhigem Gemüt und trockenem Humor kommentiert.



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