Der Rhein führt derzeit so wenig Wasser wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ende Juli meldeten zahlreiche Städte – darunter Köln und Düsseldorf – historische Niedrigwasserstände. Genau dieser Rhein soll künftig gigantische Mengen Wasser für die Befüllung der Tagebaurestseen im Rheinischen Revier liefern. Der BUND NRW sieht die bisherigen Planungen deshalb zunehmend infrage gestellt und fordert einen belastbaren „Plan B“.
Die RWE Power AG plant eine 45 Kilometer lange Rheinwassertransportleitung vom Rhein bei Dormagen in die Tagebaue Hambach und Garzweiler. Bis zu 18 Kubikmeter Wasser pro Sekunde sollen bei entsprechendem Rheinabfluss entnommen werden – über mehrere Jahrzehnte. Die Befüllung soll ab 2030 (Tagebau Hambach) beziehungsweise 2036 (Tagebau Garzweiler) starten und frühestens nach 40 Jahren abgeschlossen sein. Die wasserrechtliche Genehmigung sieht zwar eine gestaffelte Entnahme vor – bei Niedrigwasser darf diese auf minimal 1,8 Kubikmeter pro Sekunde sinken. Was fehlt, ist ein Konzept für den Fall, dass der Rhein auch diese Menge über längere Zeit nicht zuverlässig bereitstellen kann.
„Die aktuelle Dürre ist ein Weckruf. Häufigere und längere Niedrigwasserphasen werden zur neuen Realität. Deshalb muss jetzt geklärt werden, was passiert, wenn die Rheinwasserentnahme über längere Zeit nicht möglich ist. Einen solchen Plan B darf man nicht erst entwickeln, wenn das Wasser fehlt“, sagt Dirk Jansen, BUND-Landesbeauftragter für das Rheinische Revier.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Rheinwasser nicht allein zur Seebefüllung gedacht ist. Es soll auch dazu beitragen, die Feuchtgebiete im Bereich von Schwalm und Nette zu erhalten und Grundwasserkörper aufzufüllen. Für diese Feuchtgebiete ist die Leitung existenziell: Bislang versorgt das Wasser, das zur Trockenlegung der Tagebaugruben abgepumpt wird, diese Gebiete. Fällt diese Quelle weg, trocknen sie aus. Deren Erhalt war jedoch eine Genehmigungsvoraussetzung für den Tagebau Garzweiler II. „Die Wasserbereitstellung für die Feuchtgebiete muss absolute Priorität vor der Befüllung der Tagebaugruben bekommen. Ob die Restlöcher in 40 oder 60 Jahren voll sind, ist demgegenüber nachrangig“, so Jansen.
Der BUND fordert daher nicht nur einen Notfallplan, sondern eine grundlegende Überprüfung der wasserwirtschaftlichen Planungen – mit regelmäßiger Aktualisierung. Berücksichtigt werden müssen dabei die Entwicklung der Niedrigwasserstände, die tatsächliche Verfügbarkeit von Rheinwasser, Verdunstungsverluste in den Tagebaulöchern sowie ökologische Auswirkungen der Wasserentnahme und die Qualität des einzuleitenden Wassers.
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