3. Juli 2026

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Wie sich die Stadt für ein neues Klo feiert

Kommentar von Thomas Patalas, Redaktion

„KloMotion“ – so heißt das Konzept, mit dem die Stadt Mönchengladbach ihre sanierten Schultoiletten an der Geschwister-Scholl-Realschule vorstellt. Ausrufezeichen, ein Dutzend Emojis. Ein neues Klo, ein eigener Markenname.

Der Ton ist kein Einzelfall. Am Franz-Meyers-Gymnasium wurde für rund 160.000 Euro ein Naturwissenschaftsraum modernisiert, und in der städtischen Mitteilung überschlagen sich die Ankündigungen: „beste Voraussetzungen“, ein Unterricht, der plötzlich praxisnäher, lebendiger, anschaulicher klingen soll. Der Schulleiter freut sich in der Mitteilung eigens über die neuen beweglichen Tische, die nun frei im Raum angeordnet werden können. Ein Tisch, der sich schieben lässt, als Meilenstein – man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Die Digitalwoche wiederum war „ein Highlight“. Alles wird bejubelt, jede Maßnahme mit Superlativen und Symbolen aufgeladen, als müsste die Verwaltung sich ihrer eigenen Arbeit erst durch möglichst lautes Lob vergewissern.

Auffällig ist das Missverhältnis. Je überschaubarer die einzelne Maßnahme, desto größer der Applaus. Ein saniertes WC wird zur Erfolgsmeldung mit Eigennamen, ein rollbarer Tisch zur pädagogischen Verheißung. Sprache, die eigentlich informieren soll, wird zur Selbstfeier – und je mehr Ausrufezeichen sie braucht, desto weniger traut sie offenbar der Sache selbst.

Ehrlicher wird der Ton dort, wo niemand ein Emoji setzt. „Wir haben an allen Schulen das Problem, dass wir in den letzten 20, 30 oder 40 Jahren zu wenig getan haben“, sagte Betriebsleiter Raimund Eckers vom städtischen Gebäudemanagement (GMMG) gegenüber der Rheinischen Post (26. Mai 2026). Ein Satz ohne Ausrufezeichen, dafür mit Substanz. Er zeigt, was die jubelnden Meldungen verschweigen: dass die kleine gute Nachricht vor allem deshalb glänzt, weil der Alltag an vielen Stellen ein anderer ist.

Gegen gute Nachrichten ist nichts einzuwenden. Nur sollte, wer für einen verschiebbaren Tisch derart die Trommel rührt, für die großen Baustellen wenigstens denselben Elan aufbringen – und dabei ruhig ein Ausrufezeichen weniger setzen.

Fotos: © Stadt Mönchengladbach