17. Oktober 2026

Lott jonn! Heimatmagazin für Mönchengladbach

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Foto KI-überarbeitet: Lott jonn!

Tünn hät et jesehn – Beobachtungen eines Praxiskaters: Warum der Igel unsere Hilfe braucht

Ich sach mal so: In dieser Kolumne kucke ich Ihnen als Praxiskater über die Schulter und erzähl, wat in einer Kleintierpraxis so alles los ist – mit Sachverstand, aber ohne trockenes Fachchinesisch. Die Fakten liefert meine Tierärztin Astrid Lodowicks, den Rest mach ich. Wolle mer ma sagen: läuft.

Tach zusammen!

Heute geht et mal um die Wildtiere, die ab und an bei uns in der Praxis vorgestellt werden. Und da ist eine Spezies ganz klar vorne mit dabei: der Igel.

Wer kennt sie nicht, die kleinen possierlichen Stachelgesellen? Den Igel gibt es in seiner heutigen Form schon seit 15 Millionen Jahren. Umso trauriger, dass er inzwischen auf der Roten Liste steht und dort als potenziell gefährdet gilt. Unjelogen.

Igel sind nacht- und dämmerungsaktive Einzelgänger und brauchen einen sehr großen Lebensraum, in dem sie auf Futtersuche herumstreifen. Und genau da fangen die Probleme an. Die Gärten werden immer kleinere Parzellen, oft mit so engen Zaunmaschen oder gleich Steinmauern, dass es keinen Durchschlupf mehr gibt. Und die Gärten selbst, man möge mir verzeihen, sind heute oft einfach nur Steinwüsten, komplett clean und aufgeräumt. Dazu kommt Mähroboter Robert oder Roberta, der stoisch seine Arbeit macht und alles niedermäht, was ihm in den Weg kommt. Auch so manches Igelchen.

Wat der Igel braucht, ist schnell gesagt: Durchlässe von gut 10 mal 10 Zentimetern in den Zäunen, artenreiche Gärten mit einheimischen Pflanzen, Blühwiesen, Hecken mit Totholz und Laubhaufen. Ideal sind Brombeerhecken, alte Obstwiesen und Naturteiche. Was er nicht braucht: unabgedeckte Pools mit Steilwänden, aus denen er nicht mehr herauskommt, und steile Außenkellerschächte, die zur Lebendfalle werden.

Vor dem Winterschlaf, der je nach Witterung ab November beginnt, muss sich der Igel ordentlich Fett anfuttern. Ich sach mal so: Als Kater kann ich da nur neidisch werden. Das Problem ist nur, dass die Igel nicht mehr genug zu fressen finden.

Wenn Ihnen also am helllichten Tag ein Igel begegnet, dann werfen Sie mal ein waches Auge auf ihn. Ist sein Gang sicher, oder schwankt und humpelt er? Ist er auffällig langsam und igelt sich nicht ein? Sind schon von außen Verletzungen zu erkennen? Ein paar Flöhe und Zecken sind okay, aber bei Fliegeneiern und Madenbefall ist der Igel ein Notfall. Sieht sein Stachelkleid aus, als wäre es drei Nummern zu groß, und hat er im Nacken sogar eine Einbuchtung, dann hat er deutliches Untergewicht und muss versorgt werden.

Sinnvoll ist es dann, so einen Igel in Obhut zu nehmen, am besten in einem Karton mit Zeitungspapier und trockenem Laub. Dabei bitte dran denken: Klettern können die. Als erste Nahrung kann man ungesalzenes Rührei oder Katzennassfutter ohne Soße oder Gelee anbieten, dazu frisches Wasser. Ist der Igel unterkühlt, hilft eine Flasche mit warmem Wasser, in ein Handtuch gewickelt, damit sie nicht zu heiß ist. Danach sollte man sich an eine örtliche Igelauffangstation, an einen Tierarzt oder an beide wenden.

Erst heute hatte die Chefin wieder so einen kleinen Kerl auf dem Tisch, gerade mal 280 Gramm schwer. Er hatte sich in einem Erdbeernetz verfangen, das den Kindern als Fußballtornetz diente, und hing womöglich schon einen ganzen Tag darin. Sein Vorderbein war stark angeschwollen und entzündet, und Maden krabbelten schon auf ihm herum. Die Chefin hat ihn fachmännisch versorgt, und die Zuversicht ist groß, dass er es schafft.

Wer tiefer einsteigen oder sogar bei den Igelauffangstationen mithelfen möchte, findet unter www.pro-igel.de gute Informationen.

Tschüß und lott jonn,
Euer Tünn

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Zur Autorin: Astrid Lodowicks ist Tierärztin. Nach Jahren in verschiedenen Kleintierpraxen – unter anderem in Grevenbroich – führt sie seit einigen Jahren ihre eigene Praxis in Mönchengladbach-Giesenkirchen. Ihr fachlicher Schwerpunkt liegt in der Dermatologie, sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Veterinär-Dermatologie. Zu ihrem Haushalt gehören zwei Katzen und zwei Islandpferde. In dieser Kolumne überlässt sie das Wort ihrem Praxiskater Tünn, der den Praxisalltag mit wachem Auge, ruhigem Gemüt und trockenem Humor kommentiert.


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